SAP MBC kommuniziert jetzt direkt mit Banken

Von Víctor García Higuera, Senior SAP Finance und Treasury Consultant bei CONVISTA Consulting Spanien

Das unter dem Akronym „MBC“ bekannte SAP-Modul für die Bankenkommunikation (Multi Bank Connectivity) ermöglicht, wie bereits der Name verrät, die direkte Kommunikation zwischen dem SAP System und den Banken. Dieses Modul wurde von SAP entwickelt, da eine direkte Verbindung – ohne zwischengeschaltete Systeme – einen erheblichen Mehrwert schafft.

In der Vergangenheit war die Abhängigkeit von einem Service Provider (wie z. B. SWIFT oder einem Service Bureau) beim Einsatz von SAP immer ein Handicap und öffnete die Tür für Systembrüche. Durch den Einsatz von anderen, NON-SAP TM-System (wie z. B. Bellin, Sungard, TIS u. ä.), suchten sich Unternehmen häufig andere, vermeintlich günstigere, Verbindungswege.

SAP hingegen verfügte über Lösungen, die entweder eine Verbindung über europäische Messaging-Netzwerke wie EBICS (ausschließlich für DE, F, AT und CH anwendbar) oder die Integration in die Autoclient-Software von SWIFT (Alliance Lite2) ermöglichten.

In der Vergangenheit hatte SAP über die SAP-FSN-Lösung (Financial Service Network) versucht, als alternativer Agent zum Service Bureau zu fungieren, jedoch recht erfolglos, da dieser Ansatz innerhalb des SWIFT-Rahmens eine Abhängigkeit von Dritten verursachte.

Um diese über die Jahre entstandene Lücke nun endlich zu schließen und mit dem Ziel, den End-to-End-Prozess vollständig in das ERP zu integrieren, entwickelte SAP das Bankenkommunikationstool weiter. Dazu wurde zwischen SAP und SWIFT am 21. März 2018 mit einer Vereinbarung die vertragliche Grundlage geschaffen. Im Ergebnis existiert nun mit dem SAP MBC eine Lösung, die für Treasurer eine Bankenkommunikation auf höchstem Niveau ermöglicht (Link).

Die SAP Multi-Bank Connectivity ist in die SAP Cloud Platform „Integration“ eingebettet und in S/4HANA für Cloud-Architekturen standardmäßig vordefiniert.

In den übrigen Szenarien muss die Kommunikation über vordefinierte/konfigurierbare Tools eingerichtet werden.

Die Hauptvorteile der SAP Multi-Bank Connectivity sind:

• End-to-End-Überblick: Bietet dem Treasurer die komplette Übersicht des Zahlungsstatus vom Anfang bis zum Ende des Prozesses. Die integrierte Rückverfolgbarkeit ist dabei das Hauptmerkmal der SAP-Lösung.

• Automatisierung: Der Datei- und Nachrichtenaustausch erfolgt vollautomatisch und integriert in SAP BCM (Bank Communication Management).

• Globale Bankingplattform: Es existiert nur noch ein großer „Bankenpool“, zu welchem neue Banken nur noch hinzugefügt werden müssen.

• Support: Der technische Support wird von SAP und deren Partnern bereitgestellt, die – wie CONVISTA – auf Bankenkommunikation spezialisiert sind.

• Kosten: Im Vergleich zu den übrigen aktuellen Alternativen ist die Verbindung mit erheblichen Einsparungen verbunden.

• Vereinfachung: Die technische Architektur wird radikal vereinfacht, da alles im SAP-System integriert ist.

• Standardisierung von Formaten: Anpassung und Übertragung in verschiedenste Bankensysteme und mit unterschiedlichen Formaten möglich

Dies sind die grundsätzlichen Vorteile von SAP MBC. Wir sind allerdings der Ansicht, dass es noch Verbesserungen bei der Anzahl der integrierten Institute geben muss.

So kann zwar der aktuelle Verbindungsprozess mit einer der bereits auf der Plattform integrierten Banken innerhalb von nur ca. 1-2 Tagen durchgeführt werden, allerdings sind bisher nur ca. 60 Banken auf der globalen Bankplattform, die SAP mit dieser Lösung erstellt hat, integriert.

Wenn die Bank, mit der zusammengearbeitet wird nicht in diesem Netzwerk ist, stellt SAP die Bankverbindung zu diesem Institut innerhalb von 4 bis 8 Tagen bereit, sofern ein anderer SAP-Kunde bereits mit der MBC eine Verbindung unterhält.

Bei einer völlig neuen Bank kann dieser Vorgang zwischen 2 und 4 Wochen dauern.

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