KI & OCR: Wie neue Technologien die Bestandsumdeckung vereinfachen können

Bestandsdaten liegen bei Maklern häufig als *.xlsx. GDV oder BiPRO-Format vor, manchmal gar nur rein physisch. Sollen Versicherungsbestände umgedeckt werden, müssen Papierpolicen digitalisiert und die notwendige Detailtiefe sichergestellt werden. Hier können Technologien wie OCR und Künstliche Intelligenz unterstützen. Wie genau?

Veröffentlicht: Zuletzt aktualisiert:

Fachartikel, Umdeckung, Versicherungswirtschaft

1 Min. Lesezeit
Mann sitzt am PC und sortiert händisch Versicherungspolicen um sie für Bestandsumdeckung vorzubereiten. OCR erleichtert das

Versicherer oder Maklerverbände sind immer wieder mit der Vielfältigkeit der Datenhaltung bei Maklern konfrontiert. Bestandsdaten liegen digital häufig als *.xlsx. GDV oder BiPRO-Format vor, manchmal gar nur rein physisch. Sollen Versicherungsbestände umgedeckt werden, ist das für Makler und Versicherer mit manuellem Aufwand verbunden. Papierpolicen müssen digitalisiert und die notwendige Detailtiefe sichergestellt werden. Neue Technologien, wie OCR & KI machen es möglich, riesige Mengen an papierbasierten Policen einzuscannen, auszulesen und die relevanten Fachinformationen in Datenmodelle zu überführen.

Mann sitzt am PC und sortiert händisch Versicherungspolicen um sie für Bestandsumdeckung vorzubereiten. OCR erleichtert das

Weg mit den Papierstapeln – OCR & KI sei dank

Ob die Police mit dem Smartphone, der Digitalkamera oder einer Scannerstraße erfasst wurde, ist hierbei völlig unerheblich. Die verwendete Technologie ist so präzise, dass sie auch schlechte Handyaufnahmen exakt auslesen kann.
Die Portfoliotransfer Plattform der enowa AG kann diese Daten automatisiert importieren, um sie dann für die eigentliche Überführung in das Bestandsführungssystem des Zielversicherers vorzubereiten. Diese Importoption ist vor allem für Makler geeignet, die noch weitgehend mit Papierpolicen arbeiten, aber dennoch langsam in die digitale Welt übersetzen wollen. Natürlich muss hierfür zuvor das zwischen Makler und Versicherer geschlossene Umdeckungskonzept in der Konfiguration der Portfoliotransfer Plattform abgebildet werden. In diesem Konzept werden neben der Provision für den Makler auch die folgenden Fragen geklärt:

  1. Auf welches Zielprodukt wird umgedeckt?
  2. Ist eine Besitzstandsgarantie vereinbart?
  3. Gibt es Risiken, welche im neuen Produkt zusätzlich mitversichert sein sollen?

 Data Enrichment – Mit OCR & KI Daten verknüpfen

Neben diesem Anwendungsfall können Versicherer die Kombination aus OCR und KI auch dazu nutzen, um die Verbindung von Vertragsdatensätzen und Dokumenten wieder herzustellen.

 1. Vertrags- & Kundendaten verknüpfen

Sind im Rahmen einer Umdeckung Daten verlorengegangen, können OCR und KI die Verbindung von Dokumenten und Kunden- bzw. Vertragsdaten automatisch herstellen. Wie? Hierzu durchläuft die KI alle Dokumente und erfasst die Stammdaten: Vorname, Nachname, Geburtsdatum und schreibt diese in Beziehung zu weiteren Attributen in eine Datenbank. Ist der Einleseprozess abgeschlossen, untersucht der Programmcode die ausgelesenen Stammdaten und verbindet sie mit den im System bereits vorhandenen Kundendatensätzen. Diese Methodik kommt besonders dann zum Einsatz, wenn im Rahmen einer Umdeckung der gesamte Datenbestand (Kundendaten und Dokumente) aus einem Maklerverwaltungsprogramm extrahiert und zur Nutzung wieder in ein Bestandsführungssystem importiert wird.

2. GDV-Datensätze anreichern

Ein Problem bei jeder Umdeckung: Wie bekomme ich den vorhandenen Datenbestand auf die notwendige Detailtiefe? Hat sich ein Makler für die Umdeckung entschlossen, kann er – sofern dies der Risikoträger anbietet – sich die GDV-Datensätze zu den Kundenverträgen einholen. Oft sind diese jedoch nicht vollständig. Hier kann Data Enrichment einen Mehrwert liefern. Bei diesem Ansatz wird eine GAP-Analyse mit der Analyse von Vertragsdokumenten mittels OCR (KI) kombiniert. Die GAP-Analyse des Tools identifiziert hierzu die zu schließenden Datenlücken für die Übertragung in das Bestandsführungssystem des Risikoträgers. Im nächsten Analyseschritt liest die KI die vorhandenen Vertragsdokumente aus und schließt so die Informationslücken.

3. Policen auf Knopfdruck vergleichen

Ein weiterer Anwendungsfall für die Nutzung von OCR & KI besteht in einem dem Portfoliotransfer vorgelagerten Prozess – dem eigentlichen Policenvergleich. Während im Privatkundengeschäft Policen grundsätzlich stark standardisiert sind und es im Vergleich zu Wettbewerbern nur wenige Unterschiede gibt, so sind die Policen im Gewerbebereich um ein Vielfaches komplexer, sodass die Bedingungswerke nicht selten mehr als 60-80 Seiten umfassen. Hier kann KI helfen, Dokumente zu vergleichen, um Haftungsunterschiede zwischen zwei oder mehreren Policen transparent zu machen. Konkret kommt hier die BERT Methodik zum Einsatz. BERT steht für „Bidirectional Encoder Representations from Transformers“. Es handelt es sich um eine von Google entwickelte und im Jahr 2018 vorgestellte Technik des maschinellen Lernens und Pretrainings von Transformer-basierten NLP-Modellen. Die mit dieser Methodik trainierten Sprachmodelle erfassen die kontextuellen Zusammenhänge und Beziehungen der Wörter besser, wodurch ein tieferes Verständnis der Sprache entsteht. Im konkreten Anwendungsfall stellt man dem Tool z.B. die Frage, wer die Repräsentanten des Versicherungsnehmers sind. Das Tool durchforstet mittels KI die Police und versucht, die zuvor gestellte Frage zu beantworten. Aufgrund der repetitiven und ähnlich gelagerten Fragestellungen sind diese heute noch manuell durchgeführte Tätigkeiten das perfekte Einsatzgebiet für KI.

Fazit: KI & OCR bieten für Versicherungen einen Wettbewerbsvorteil

Eine durchdachte digitale Unterstützung spart dem Makler viel Zeit – eine wichtige Messegröße, die neben den Provisionen im Bereich Bestandsumdeckung und -verkauf das Geschäft bestimmen. Wer also neue Technologien wie OCR und KI smart einsetzt und einen bunten Strauß an digitalen Services für die Makler vorhält, kann bei ihnen punkten und sich vom Wettbewerb abheben.

Sie wollen mehr über die Bestandsumdeckung mit dem Portfoliotransfer-Plattform oder den Einsatz von KI in der Versicherung erfahren? Kontaktieren Sie uns gerne.

Autor

Sebastian Schmidt – Senior Consultant

Sebastian Schmidt ist Experte für die technische Datentransformation im Bereich Makleranbindung. Mit seinen über sieben Jahren Erfahrung berät er Versicherungsunternehmen hinsichtlich der Anbindung von APIs sowie der Umsetzung großer IT-Projekte. 
Team berät sich an Schreibtisch über Best Practices im SAP S/4HANA Projekt

Veröffentlicht am 26.03.2024

Die S/4HANA-Migration meistern: Markterhebung im Versicherungsbereich

Herausforderungen und Strategien für eine erfolgreiche S/4HANA-Einführung in Versicherungsunternehmen - eine Convista-Markterhebung.

Veröffentlicht am 26.03.2024

Episode 39: Keine Strategie ohne IT-Umsetzungsbezug

Wie Versicherer Digitalisierungsprogramme erfolgreich aufsetzen können…

ESG-Daten visualisiert / Laptop mit Weltkugel in grüner, bewachsener Umgebung

Veröffentlicht am 18.03.2024

ESG-Daten und ihre Schlüsselrolle im Reporting

Nachhaltigkeit zu reporten und zu managen, hält zahlreiche fachliche und technologische Herausforderungen bereit. Das letzte große Projekt für den Versicherungsmarkt mit vergleichbarem Umfang an Datenanforderungen dürfte wohl die Umsetzung der Basel-II- bzw. Solvency-II-Vorgaben gewesen sein. Warum der Aufbau einer integrierten…