Was ist SAP Resource Orchestration (REO)?

Ein Maschinenausfall oder eine geänderte Priorität wirft die Reihenfolge im Werk schnell durcheinander. REO verteilt Aufträge kurzfristig auf konkrete Maschinen, Arbeitsplätze, Mitarbeitende und Werkzeuge und terminiert betroffene Vorgänge neu. Der Artikel zeigt, wie die grafische Plantafel Kapazitäten und Konflikte sichtbar macht und wie automatisches Dispatching die Feinplanung unterstützt.

Was ist SAP Resource Orchestration?

SAP Digital Manufacturing for resource orchestration, kurz REO, ist ein cloudbasiertes Werkzeug für die kurzfristige Planung und Steuerung auf dem Shopfloor. SAP Resource Orchestration ordnet Produktionsvorgänge verfügbaren Arbeitsplätzen und Ressourcen zu. Dabei berücksichtigt die Lösung die aktuelle Auftragslage und Ereignisse aus der Fertigung.

Zu den Ressourcen gehören Maschinen, Arbeitsplätze, Personal und Produktionswerkzeuge. Ein Produktionsleiter kann beispielsweise prüfen, ob für einen priorisierten Auftrag eine geeignete Anlage, ein qualifizierter Mitarbeiter und das benötigte Werkzeug verfügbar sind. REO unterstützt damit den operativen Zeithorizont von Schicht, Tag oder Woche.

Die Abgrenzung zur langfristigen Produktionsplanung ist wichtig. Ein ERP- oder Planungssystem legt Bedarfe, Grobtermine und Kapazitätsvorgaben fest. REO entscheidet nicht über die gesamte Absatz- und Produktionsstrategie. Die Lösung verfeinert vorhandene Aufträge und reagiert auf die reale Situation im Werk.

Einordnung in die SAP-Architektur

Produktionsaufträge und Vorgänge stammen aus SAP S/4HANA, SAP ERP oder einem angebundenen Ausführungssystem. Resource Orchestration übernimmt relevante Termine, Prioritäten, Arbeitsplätze und Ressourcen. Dispositionsergebnisse können abhängig vom Szenario an das angebundene System zurückgegeben werden.

Aktuelle Informationen aus dem Shopfloor ergänzen die Planungsdaten. Fällt eine Maschine aus oder ist ein Mitarbeiter nicht verfügbar, kann die Produktionsleitung betroffene Vorgänge neu einplanen. REO bildet deshalb die operative Verbindung zwischen Planung und Ausführung. Es ersetzt weder die übergeordnete Materialbedarfsplanung noch DMe.

Die Qualität der Feinplanung hängt von realistischen Vorgabezeiten, Schichtkalendern und Ressourcenstammdaten ab. Auch alternative Maschinen oder benötigte Fähigkeiten müssen korrekt gepflegt sein. Andernfalls findet der Algorithmus zwar einen rechnerisch freien Platz, der sich praktisch nicht nutzen lässt. Planerisches Wissen bleibt deshalb ein fester Bestandteil des Prozesses.

Auch bestehende SAP-ME-Landschaften können in definierten Szenarien angebunden werden. Einzelne Planungsmodi und Ansichten hängen vom verbundenen Ausführungssystem ab. Das ist bei der Konzeption wichtig: Nicht jede dokumentierte Funktion steht in jeder Kombination identisch bereit.

Funktionen von SAP REO

Die Anwendung „Dispatching and Monitoring“ zeigt eingeplante und noch nicht eingeplante Vorgänge. Eine grafische Plantafel stellt die Belegung auf einer Zeitachse dar. Produktionsleiter verschieben Vorgänge per Drag-and-drop, erkennen Überschneidungen und sehen Schichtpausen sowie arbeitsfreie Zeiten.

Für die automatische Zuordnung stehen Planungslogiken wie das Einfügen in einen Ablauf, die Suche nach einem freien Zeitfenster und eine Planung ohne Kapazitätsbegrenzung zur Verfügung. Prioritäten und alternative Ressourcen können die Auswahl beeinflussen. Eine automatische Lastverteilung verteilt geeignete Vorgänge auf verfügbare Ressourcen. Welche Optionen gelten, hängt vom jeweiligen Integrationsszenario ab.

Die Personalplanung verwaltet Schichten und Zuordnungen zu Arbeitsplätzen. Verfügbarkeiten, Fähigkeiten und Zertifizierungen helfen dabei, geeignete Mitarbeiter einzuplanen. Bei entsprechender Integration können Personaldaten aus SAP SuccessFactors einfließen. Konflikte werden sichtbar, bevor ein Vorgang ohne ausreichend qualifiziertes Personal beginnt.

Werkzeuge lassen sich ebenfalls Arbeitsplätzen und Ressourcen für einen Tag oder eine Kalenderwoche zuordnen. In einem ERP gepflegte Fertigungshilfsmittel können als Tools übernommen werden. Berichte zeigen unter anderem Auftrag, Vorgang, Zeitraum und zugewiesene Ressource.

Bei einem Maschinenausfall, einer Verzögerung oder einer geänderten Priorität können Verantwortliche die betroffenen Vorgänge neu terminieren. SAP dokumentiert dabei für bestimmte SAP-ME-On-Premise-Szenarien die Nutzung von Alternativressourcen und das Mitverschieben reservierter Werkzeuge bei manueller Umplanung. Welche Möglichkeiten verfügbar sind, hängt vom angebundenen Ausführungssystem ab.

Was sind die Vorteile von SAP REO?

Realistische Feinplanung

Vorgänge werden auf konkrete Ressourcen und Zeitfenster verteilt, statt nur als grobe Kapazitätslast zu erscheinen.

Sichtbare Ressourcenkonflikte

Überschneidungen, fehlende Verfügbarkeit und ungeeignete Zuordnungen fallen bereits bei der Disposition auf.

Schnellere Reaktion auf Störungen

Betroffene Vorgänge können nach Ausfällen oder Prioritätsänderungen auf freie Zeitfenster und Alternativressourcen wechseln.

Qualifikationsgerechter Personaleinsatz

Fähigkeiten und Zertifizierungen unterstützen eine Zuordnung, die fachliche Anforderungen des Arbeitsplatzes berücksichtigt.

Abgestimmte Werkzeugbereitstellung

Benötigte Produktionswerkzeuge werden mit Auftrag, Arbeitsplatz und geplantem Zeitraum verknüpft.

Bessere Kapazitätsübersicht

Die Plantafel zeigt ausgelastete und freie Ressourcen sowie noch nicht eingeplante Arbeit in einer gemeinsamen Sicht.

Weniger manuelle Abstimmung

Automatische Disposition und Lastverteilung unterstützen wiederkehrende Planungsentscheidungen, ohne die Kontrolle des Produktionsleiters aufzuheben.

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